Pfosten im Dachgeschoss entfernen

Frage: Ich ziehe gerade in eine Mietwohnung mit einem ausgebauten Dachgeschoss ein. Das Ganze ist ein 1989 erbautes Mehrfamilienhaus und das Dachgeschoss befindet sich im 3.Stock. Im ausgebauten Dachgeschoss befindet sich eine Säule mitten im Raum. Gestern sagte die Vermieterin, dass unsere Nachbarn (mit ich nehme an spiegelbildlicher Wohnung) beim Ausbau des Dachgeschosses diese Säule vor längerer Zeit weggenommen hätten.
Wie kann ich herausfinden, ob diese Säule eine tragende Funktion hat? Und woher weiß ich, ob das für mich als Nachbar eine Rolle spielt? Und wenn nun eine Stützfunktion fehlt, bricht das Dach dann plötzlich ein oder erkennt man Hinweise wir z.B. Risse in der Wand. Die Trennwand zu dem Nachbargeschoss besteht übrigens aus Rigips und hört sich beim Klopfen hohl an. Der Raum ist in der Länge 4m lang und nach etwa einem Drittel der Länge von der Rigipswand steht die Säule mitten im Raum. Die Wand an der anderen Seite des Raumes scheint tragend zu sein.
Was kann ich tun? Und muss ich etwas tun?

 

Antwort: Dieser Pfosten ist mit Sicherheit tragend und leitet die Lasten der Firstpfette ab. Sie sollten ihn daher nicht entfernen. Die Trockenbautrennwand trägt nichts. Wenn Ihre Nachbarn „ihren“ Pfosten wirklich ersatzlos entfernt haben, so würde ich dies als fahrlässig bezeichnen.

 

Aus Ihren Angaben entnehme ich, dass das Dachgeschoss mittig durch eine Trockenbauwand quer zur Firstrichtung in zwei gleich große Teile geteilt wurde. Der Abstand zwischen den Giebelwänden, auf denen die Firstpfette aufliegt, beträgt somit etwa 8m, was mir für ein Mehrfamilienhaus aber etwas wenig erscheint. Diese Spannweite wurde durch den Einbau der zwei Pfosten gedrittelt und die Firstpfette auf diese Spannweite der einzelnen Teile von ca. 2,70m ausgelegt. Wenn Sie nun einen der Pfosten ersatzlos entfernen muss die Pfette, die auf eine Spannweite von 2,70m ausgelegt ist, eine Strecke von 5,40m überspannen. Das ist eindeutig zu viel. Eine Spannweite von 5,40m wäre für jede Pfette aus normalem Bauholz zu viel, da sich dieses ab einer Spannweite von ca. 4,80m aufgrund des Eigengewichts des Holzes, unabhängig vom Format, stärker durchbiegt als es zulässig ist. Bei höheren Spannweiten muss daher auf Brettschichtholz zurückgegriffen werden.

 

Ich nehme daher an, dass sich Firstpfette und Dach bei Ihnen schon deutlich durchgebogen haben. Das heißt nicht, dass das Dach kurz vorm Zusammenbrechen ist, es hält ja anscheinend schon ein paar Jahre so. Gut ist die Situation jedoch auf keinen Fall.

 

Nun dazu, was Sie tun können oder müssen. Auf keinen Fall sollten Sie den Pfosten in Ihrer Wohnung entfernen. Wenn Sie nicht darauf vertrauen wollen, dass das, was in den letzten Jahren offenbar gehalten hat auch zukünftig hält, sollten Sie zunächst Ihre Nachbarn zu den damals durchgeführten Umbaumaßnahmen befragen. Anschließend könnten Sie die Situation in Absprache mit den Nachbarn und der Vermieterin von einem Statiker oder Zimmerermeister begutachten lassen um zukünftigen Schäden vorzubeugen. Ich denke, dies sollte auch im Interesse von Nachbarn und Vermieterin sein.

 

Grundsätzlich kann ich jedem Laien nur davon abraten, sich ein Urteil über die Notwendigkeit von tragenden Bauteilen anzumaßen und diese einfach zu entfernen. Eine Stütze wird nicht aus Jux und Tollerei eingebaut. Wäre sie statisch nicht erforderlich, so wäre sie nicht eingebaut worden.

10. Feb 2008   | Email | Nach oben
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