Schuppen genehmigungsfrei

Frage: Hallo, ich habe an meine Garage einen Holzschuppen angebaut, Maße 6m lang, 1,20m breit, Durchschnittshöhe ca. 2m (Bruttorauminhalt ca. 16

m3). Für dieses Gebiet besteht kein Bebauungsplan, meines Wissens ist es Außenbereich.

 

Laut LBO B.W. sind Bauvorhaben im Außenbereich verfahrensfrei wenn der Bruttorauminhalt 20m3 nicht übertrifft. Kann die Gemeinde oder das Bauamt trotzdem nachträglich eine Baugenehmigung verlangen? Kann ein Bußgeld erhoben werden? Danke für die Beantwortung.

 

Antwort: Zunächst einmal: wenn kein Bebauungsplan besteht bzw. Sie sich nicht innerhalb eines „im Zusammenhang bebauten Ortsteils“ befinden, liegt Ihr Grundstück im Außenbereich. Was Sie dort bauen dürfen, ist äußerst streng geregelt.

 

Nicht jedes Bauvorhaben bis 20m³ Bruttorauminhalt ist im Außenbereich verfahrensfrei. Verfahrensfrei sind nach Landesbauordnung (LBO) Baden-Württemberg laut

 

Anhang (zu § 50 Abs. 1)

 

Verfahrensfreie Vorhaben

 

Gebäude, Gebäudeteile

 

1. Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten, wenn die Gebäude weder Verkaufs- noch Ausstellungszwecken dienen, im Innenbereich bis 40m³, im Außenbereich bis 20m³ Brutto-Rauminhalt,

 

2. Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten, die einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb dienen und ausschließlich zur Unterbringung von Ernteerzeugnissen oder Geräten oder zum vorübergehenden Schutz von Menschen und Tieren bestimmt sind, bis 70m² Grundfläche und einer mittleren Höhe von 5m,

 

3. Gewächshäuser bis zu 4m Höhe, im Außenbereich nur landwirtschaftliche Gewächshäuser,

 

4. Wochenendhäuser in Wochenendhausgebieten,

 

5. Gartenhäuser in Gartenhausgebieten,

 

6. Gartenlauben in Dauerkleingartenanlagen nach dem Bundeskleingartengesetz,

 

7. Fahrgastunterstände, die dem öffentlichen Personennahverkehr oder der Schülerbeförderung dienen,

 

8. Schutzhütten und Grillhütten für Wanderer, wenn die Hütten jedermann zugänglich sind und keine Aufenthaltsräume haben,

 

9. Gebäude für die Wasserwirtschaft oder für die öffentliche Versorgung mit Wasser, Elektrizität, Gas, Öl oder Wärme im Innenbereich bis 30 m² Grundfläche und einer Höhe von 5m, im Außenbereich bis 20m² Grundfläche und einer Höhe von 3m,

 

10. Vorbauten ohne Aufenthaltsräume im Innenbereich bis 40m³ Rauminhalt,

 

11. Terrassenüberdachungen im Innenbereich bis 30m² Grundfläche,

 

12. Balkonverglasungen sowie Balkonüberdachungen bis 30m² Grundfläche;

 

Wie Sie in Satz 1 sehen, sind Gebäude ohne Aufenthaltsräume,..., verfahrensfrei, im Außenbereich bis 20m² Bruttorauminhalt.

 

In Satz 10 jedoch steht, dass Vorbauten ohne Aufenthaltsräume bis 40m³ Rauminhalt verfahrensfrei sind, allerdings nur im Innenbereich.

 

Aufgrund Ihrer Fragestellung vermute ich, dass Sie bereits Ärger mit Ihrem Baurechtsamt haben und dieses eine Nachgenehmigung unter Androhung eines Bußgeldes verlangt.

 

Da Sie den Schuppen selbst als Anbau an Ihre Garage bezeichnen, könnte ich nachvollziehen, wenn das Baurechtsamt diesen nicht als Gebäude sieht, das nach Satz 1 verfahrensfrei wäre, sondern als Vorbau nach Satz 10. Dieser ist jedoch nur im Innenbereich verfahrensfrei.

 

Diese Unterscheidung ist zwar unter Berücksichtigung des gesunden Menschenverstands in diesem Fall nicht unbedingt nachzuvollziehen, aber rechtlich eindeutig.

 

Wenn Ihr Baurechtsamt dies so sieht, können Sie wohl wenig dagegen machen.

 

Was die Frage des Bußgelds angeht, so steht in

 

§ 75 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

 

8. als Bauherr, Unternehmer oder Bauleiter eine nach § 49 genehmigungspflichtige Anlage oder Einrichtung ohne Genehmigung errichtet oder als Bauherr von der erteilten Genehmigung abweicht, obwohl er dazu einer Genehmigung bedurft hätte,

 

Da Sie Ihren Schuppen nach nachvollziehbarer Ansicht des Baurechtsamts errichtet haben, ohne über die notwendige Genehmigung zu verfügen, haben Sie eine Ordnungswidrigkeit begangen, wofür ein Bußgeld verhängt werden kann.

 

Ich weiß nicht, wie die Vertreter Ihres Baurechtsamts gestrickt sind und was bisher vorgefallen ist. Ich denke aber, dass sie mit sich reden lassen werden. Es gibt natürlich immer wieder Paragrafenreiter, denen praktische und bürgerfreundliche Auslegungen und Erwägungen völlig fremd sind. Meiner Erfahrung nach befinden sich diese aber in der Minderheit. Normalerweise sollte es möglich sein, zu einer Einigung zu kommen.

 

Die Androhung eines Bußgeldes soll Sie wahrscheinlich nur dazu bewegen, Ihren Schuppen nachgenehmigen zu lassen.

 

Fazit: machen Sie es doch einfach. Lassen Sie den Schuppen nachgenehmigen. Das kostet Sie gewiss weniger als ein Rechtsstreit, den Sie womöglich verlieren würden, unter Umständen mit der Konsequenz, den Schuppen im Anschluss auch noch abreißen zu müssen.

 

LBOs und mehr finden Sie unter Downloads.

17. Apr 2008  Comments [2] | Email | Nach oben
Kategorie:
Jürgen
Friday, April 20, 2012 3:37 PM
Nutze 2 Wohnwagen als Schuppen auf ca. 1300 qm Eigenland. Wurde deshalb von der Baubehörde vor ca.2 Monaten angemahnt.Das behördliche Schreiben enthielt keine Einzelheiten , diese wurden erst telefonisch konkret.Bisher erfolgte nichts weiteres seitens der Behörde.
Böhler Martin
Wednesday, January 16, 2013 2:58 PM
Hallo, ich habe da ein kleines Bauvorhaben geplant. Jedoch kann mir da im moment keiner Helfen. Auf dem Bauamt habe ich verschiedene Aussagen erhalten. Der erste Sagte mir: Dieses Bauvorhaben ist Genehmigungspflichtig. Doch zwei andere Sachbearbeiterinen sagten mir, dass es Genehmigungsfrei ist. Was stimmt denn nun? Das habe ich vor zu Bauen. Auf unserem Grundstück (über 1.100m², Gemeinde Waldshut-Tiengen; BaWü) steht ein Zweifamilienhaus mit angebauter Garage und Heizraum. Da ich letztes Jahr eine Zentrahlheizung mit Stückholz eingebaut habe (Erneuerbare Energie) und im gegenzug die Nachtspeicherheizungen (Stromspeicher) entfernte, brauche ich viel Platz zum Holzlagern. Aus diesem Grund möchte ich einen Holzschopf (alle Seiten verplankt) oder nur eine Überdachung (ähnlich wie ein Carport) bauen. Da ich auf dem Grundstück genügend Platz habe, würde ich gerne die Grundfläche von 10m x 3m Bebauen. Die Höhe ca 2,5m.
zu diesem Anliegen habe ich nun mehrere Fragen. Was ist hier nun Genehmigungsfrei und was nicht?
Wie weit muss ich es von der Grundstücksgrenze entfernt bauen?
Kann ich den Schopf/Überdachung eventuell an die Garage anbauen auch wenn die Garage an der Grundstücksgrenze ist?
Falls der Schopf Genehmigungsfrei ist, darf ich dann später ein Gartenhaus daran anbauen ohne eine Genehmigung einzuholen?
Falls die Überdachung Genehmigungsfrei ist, darf ich dann später ein Gartenhaus daran anbauen ohne eine Genehmigung einzuholen?

Ich hoffe Sie können mir weiterhelfen.
Es grüßt Sie freundlichst
Martin Böhler

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