Kondenswasser nach Daemmmassnahmen

Frage: Wir haben unser Fertigteilhaus Bj 1973 mit einem Vollwärmeschutz dämmen lassen.
Bei den Umbauarbeiten einschließlich Wechsel aller Fenster sahen wir keinerlei Feuchtigkeitsschäden.
Jetzt haben wir massiv Kondenswasserbildung am bislang staubtrockenen Dachboden. Das Wasser kondensiert vor allem an einer wohl wasserdampfdichten und an der Unterseite nicht belüfteten Unterspannbahn, vor allem in den sehr niedrigen Winkeln, wo die Dachbalken praktisch auf das Niveau des Polystyrols kommen. Der Aufbau der obersten Geschoßdecke ist Rigips mit Lattung, einer sicherlich vielerorts defekten Dampfbremse (worauf wir in der Planungsphase immer hingewiesen haben)16cm Tram mit 6cm Tellwolle und Luft, Porenbetonplatten und dann eben 24cm Polystyrol in drei Schichten verlegt. Der Aufbau der Außenwände ist Holzfaserplatte, tw. rigipsbeplankt, Tellwolle hängend zwischen Luftschichten in Folie, Holzfaserplatte, Putzträgerplatte und alter Verputz, dazu neu 20cm EPS und 2mm Silikonharzreibeputz.
Die beteilgten Handwerker und Planer sind ratlos (und fühlen sich nicht zuständig, weil es ja unser Dachboden ist und sie diesen nicht verändert haben...)

Warum kondensiert es jetzt so wild und früher nie?
Was können wir dagegen tun? Als akute Maßnahme, um groben Schaden zu verhindern und langfristig?

Wenn wir das Kondenswasser mindern können durch vermehrte Belüftung des kalten Dachbodens - müssen wir fürchten, dass in der hohlen Decke, den hohlen Außenwänden Feuchtigkeitsschäden entstehen?
Hätte man das Haus überhaupt so dämmen dürfen? (4 Betriebe stellten uns ein Angebot, davon zwei Fertigteilhausfirmen, alle schlugen diese Dämmung vor, der Energieberater ebenfalls!)

 

Antwort: Durch die Außendämmung und die neuen Fenster ist Ihr Haus jetzt viel dichter als zuvor. Die Feuchtigkeit, die vorher durch Fugen und undichte Fenster abgeführt wurde, bleibt nun im Gebäude und sucht sich einen anderen Weg nach draußen.

 

In Ihrem Fall durch die undichte Dampfbremse in den Dachboden. Die Unterspannbahnen, die in den 70ern verlegt wurden, sind alles andere als diffusionsoffen. Durch die Außendämmung wird nun wahrscheinlich auch eine Lüftung des Dachbodens durch das Gesims behindert.

 

Somit kann die Feuchtigkeit nicht mehr entweichen und schlägt sich an der Unterseite der Unterspannbahn nieder.

 

Das Haus auf diese Weise dämmen dürfen Sie schon. Allerdings sollte man dabei nicht auf halber Strecke aufhören, sondern alle Bauteile an die veränderte Situation anpassen, um Folgeschäden zu vermeiden.

 

Zum einen müssen Sie Ihr Lüftungsverhalten anpassen.

 

Zum anderen hätte unbedingt eine funktionierende Dampfbremse unter der obersten Geschossdecke eingebaut werden müssen. Dies sollten Sie auf jeden Fall nachholen.

 

Damit sollten Sie das Problem hoffentlich in den Griff bekommen. Wenn nicht, sollten Sie darüber nachdenken, das Dach ebenfalls zu sanieren, sprich mit einer diffusionsoffenen Unterspannbahn und einer Konterlattung als Hinterlüftungsebene zu versehen.

 

Frage: Sie betreiben eine super Seite, die informativer ist als vieles andere im Web. Danke für Ihre Antwort, und da Sie mich zu einem Kommentar ermunterten, möchte ich Ihnen kurz berichten, wie es weiter gegangen ist.

 

Zunächst wurde von der Baufirma die Unterspannbahn entfernt, was wahrscheinlich zu geringeren Mengen an Kondenswasser geführt hat, das Problem blieb aber gravierend bestehen wie erwartet, es war eher als Notfallsmaßnahme gedacht, ebenso wie der nächste Schritt, die komplette Entfernung des Styropors von der Dachbodendecke im Februar (Es lagert jetzt im Garten, 35m³, welch schöner Anblick...). Das hatte der Physiker empfohlen, nach Untersuchung mit Infrarotkamera, Luftströmungsmessung in den Ritzen...

Darauf hat sich der Dachboden schlagartig erholt und trocknete rasch aus. Wir mussten dann zwar wieder mehr heizen, hielten das aber für das kleinste Problem.

Eine Dampfbremse am Dachboden einbauen erschien kaum möglich wegen der fehlenden Möglichkeit des dichten Anschlusses an die Außenwände und die Holzkonstruktion des Dachstuhles. Die Dachbodendecke vom Wohnraum her mit einer Dampfbremse zu versehen, dürfte wohl auch an den Rändern problematisch sein, vor allem an den Innenwänden. Somit werden wir wohl oder übel die Dachbodendecke so belassen, wie sie ursprünglich war. Mit mehreren Thermometern und Hygrometern, die wir im Haus, in der Deckenkonstruktion, auf dem Dachboden und außen verteilt haben mit Funkübermittlung, konnten wir in den letzten Winterwochen sehen, dass wir im Deckenaufbau kaum einmal über 60% Luftfeuchte erreichen. Somit kommt es hier zu ? Verdünnungseffekten, denn unsere Raumluft, die bei 20 Grad mit maximal 40% Luftfeuchte beladen ist, müsste bei etwa 6 Grad kondensieren - was nicht der Fall ist, trotz Temperaturen im Deckenaufbau bis unter 4 Grad (bei Außentemperatur von minus 10 an diesem Tag). Die Decke funktioniert also offenbar wie früher.

 

Meine Frage an Sie wäre:

Was müssen wir an den Außenwänden befürchten?

Der Aufbau der Außenwände ist Holzfaserplatte, tw. rigipsbeplankt und tapeziert, Tellwolle hängend zwischen Luftschichten, innenseitig eine zarte Folie vor der Tellwolle, Holzfaserplatte, Putzträgerplatte und alter Verputz, dazu neu 20cm EPS und 2mm Silikonharzreibeputz.

Die Außenwände wurden im Wohnzimmer geöffnet, die Fenster vergrößert, und die verbliebenen Seitenteile neben den neuen Fenstern und darüber ohne Dampfsperre verschlossen.

 

Diesen Winter sahen wir keine Probleme, die Frage ist allerdings, wie sehe ich Probleme, wann kommen sie...

...sollen wir auf Probleme warten oder kommen sie nicht so sicher? Was können, sollen wir machen?

 











Antwort:
Den unbeheizten Dachboden mit einer Dampfbremse versehen, das sollten Sie auch nicht. Sonst hätten Sie gleich die Unterspannbahn drinlassen können. Die Dampfbremse gehört unter die oberste Geschossdecke. Wo die Probleme mit dem Anschluss an die Wände liegen sollen, kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen.

 

Wenn Sie die Decke jetzt so lassen wie sie ist, sollten sich die Probleme zwar wahrscheinlich erledigt haben, Sie heizen aber in Zukunft weiter die Umgebung mit, sprich zum Dach hinaus. Dies wollten Sie aber doch durch die Sanierung gerade ändern.

 

Wenn ich mir Ihre Fotos anschaue, dann sind Ihre Außenwände alles andere als luftdicht. Auch hier sollten Sie sich um eine Behebung dieser Mängel kümmern. Sonst sind auch hier Feuchteschäden vorprogrammiert. Diese fallen nur nicht so schnell auf wie im Dachboden, wo Sie die Feuchtigkeit sehen können.

14. Mar 2010   | Email | Nach oben
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